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"Dialog" (Foto: R. Ebert)

Foto: R. Ebert

"Zyklus Umwelt III Eruption des Erdinnern und des Hirns" (Foto: R. Ebert)

Im Bild zu sehen: Die Skulptur "Bodenlinien" und "Zyklus Umwelt III Eruption des Erdinnern und des Hirns" (Foto: R. Ebert)

"Dialog ohne Worte" - Förderverein für Kunst und Kultur zeigt Skulpturen von Hans-Jürgen Vorsatz

Gastbeitrag von Werner Lütkenhaus

Schon seit einigen Jahren pflegt der Förderverein für Kunst und Kultur freundschaftliche Beziehungen zu dem Bildhauer Hans-Jürgen Vorsatz aus Duisburg. Umso glücklicher ist der Verein darüber, dass der Künstler bereit ist, aus allen Phasen seines Schaffens Werke in Dülmen zu präsentieren. Besucherinnen und Besucher werden sich an drei Standorten intensiv mit den Kunstobjekten des Künstlers auseinandersetzen können. Seit Anfang Januar stehen die ersten Skulpturen vor der Heilig-Kreuz-Kirche und vor der Hermann-Leeser-Realschule.

 

Als Verehrer des Baumeisters der Heilig-Kreuz-Kirche, Dominikus Böhm (1880¬1955), war es für den Bildhauer ein großes Anliegen zuallererst einen Bezug zu dem Kirchengebäude aufzubauen. Dies ist ihm mit seiner großen und schweren Skulptur (1987 – 2010) auf eine feinfühlige Weise sichtbar gelungen. Der Name des Kunstobjekt „Dialog“ ist leicht nachvollziehbar. Zwischen dem senkrecht aufgestellten Gletscherfindling und der Stele aus Cortenstahl mit der Aussparung im oberen Bereich besteht ein beständiger Dialog, der die benachbarten Bäume, das Kirchengebäude sowie die städtische Architektur mit einbezieht.

 

Diese Skulptur ist nicht nur groß und schwer, sondern war auch Inspirationsquelle für die Titelgebung „Dialog ohne Worte“ für das gesamte Ausstellungskonzept. Als Hommage an die Heilig-Kreuz-Kirche wird Hans-Jürgen Vorsatz im Sommer (21. und 22. Juni) Skulpturen in der Kirche aufbauen, die sorgfältig auf den Innenraum abgestimmt sind. Die feierliche Ausstellungseröffnung wird am Freitag, den 23. Juni stattfinden. Bis Donnerstag, den 03. August 2023 können sich die Besucherinnen und Besucher auf einen stillen Dialog zwischen dem Kunstwerk Heilig-Kreuz-Kirche und den Skulpturen von Hans-Jürgen Vorsatz einlassen.

 

Schon seit 1990 steht die Skulptur „Partnerschaft“ des Duisburger Künstlers auf dem Charleville-Mézières-Platz in unmittelbarer Näher zur Hermann-Leeser-Realschule. Die beiden Stelen aus dunklem Vulkanbasalt, die in ihrem geschliffenen Zustand wie leicht gedreht wirken, versinnbildlichen die Städtepartnerschaft zwischen Charleville-Mézières in Frankreich und Dülmen. Darüber hinaus möchte der Künstler auf menschliche Beziehungen wie Lebenspartnerschaften und Liebesbeziehungen hinweisen, bei denen in den meisten Fällen Durchhaltevermögen und gegenseitiges Verständnis erforderlich sind, um die Beziehungen zu erhalten. Außerdem ist es ein Erlebnis der Sinne, die Flächen- und Kantenverläufe von unten nach oben zu verfolgen.

 

In dieser Umgebung besteht eine mit Bedeutung aufgeladene Atmosphäre. Dazu tragen der Charleville-Mézières-Platz, die Skulptur „Partnerschaft“, das historisch wichtige und schöne Gebäude der Hermann-Leeser-Realschule sowie das Kriegerdenkmal mit der hohen Frauenfigur bei. Hans-Jürgen Vorsatz hat die für Dülmen wichtige Umgebung erkannt, und möchte an dieser Stelle mit seinen Skulpturen der Stadt Dülmen eine Hommage erweisen.

 

Mit seinen Skulpturen, die Hans-Jürgen Vorsatz auf den Rasenflächen vor der Hermann-Leeser-Realschule platziert hat, sind neue Einblicke und Sichtachsen entstanden, die die Aufmerksamkeit der Interessierten erhöhen sollen.

 

Als der Dellplatz in Duisburg in den 1990er Jahren umgestaltet wurde, fiel dem Bildhauer der künstlerische Wert der länglichen Granitstücke auf, die bis dahin wie Bordsteinkanten als Abgrenzung oder Begrenzung eingesetzt wurden. Der Künstler konnte die Steine leicht für die Kunst sichern, da sich in unmittelbarer Nähe des Platzes sein Atelier befindet.

Als Kunstwerk sollten die gebrauchten Granitstücke die Situation der Ausstellungsorte verbessern und auf Besonderheiten aufmerksam machen. Dazu musste die Lage der Schräge an den Längsseiten verändert werden. Kurzerhand drehte der Künstler die Kantensteine um 180 Grad um die eigene Achse. Der untere Teil, der sich früher zur Befestigung im Boden befand, zeigt nun oben. Als Ergebnis befindet sich die Abschrägung in der unteren Hälfte und verläuft der Längsachse entlang von außen nach innen. Somit hat Hans-Jürgen Vorsatz mit wenigen Eingriffen ein unspektakuläres, minimalistisches Kunstwerk mit einer Länge von 12,1 Metern geschaffen. Beim näheren Betrachten entwickelt das Werk eine enorme Tiefenwirkung.

 

Seit der Entstehung im Jahre 1992 konfrontiert der Bildhauer unterschiedliche Plätze und Gebäude mit dem Werk. In Dülmen nennt Hans-Jürgen Vorsatz die Skulptur Bodenlinie, die für Offenheit steht. Sinnbildlich betrachtet umarmt die Skulptur die Umgebung und vielleicht ganz Dülmen. Der Künstler ist jedenfalls von der aktiven Kunstszene in Dülmen schon lange begeistert. Aus der Nähe betrachtet weist die Öffnung des Bogens auf die Schönheit des Schulgebäudes sowie auf die Wichtigkeit von Bildung hin. Da die Bodenlinie in Dülmen eine ganz andere Bedeutung als in den vorherigen Orten besitzt, gibt der Objektkünstler als Entstehungszeitraum die Jahre von 1992 bis 2023 an.

 

In seiner Kunst ist der Bildhauer oft politisch und bezieht Stellung zu den aktuellen Schwierigkeiten und Problemen. Seit langem beschäftigt sich der Bildhauer mit den Umwelt- und Klimaveränderungen und versucht in seiner Kunst diesen Bedrohungen den gebotenen Ausdruck zu verleihen. In den Köpfen der Betrachterinnen und Betrachter möchte er geradezu eine Gedankeneruption für konstruktive Lösungen provozieren. Dies ist dem Künstler mit der angedeuteten Kugel (1 Meter Durchmesser) aus Muschelkalk gelungen, die er vor über vierzig Jahren (1980) kreiert hat.

 

Aus dem Titel „Zyklus Umwelt III Eruption des Erdinnern und des Hirns“ kann entnommen werden, wie wichtig dem Künstler das Thema ist. Hans-Jürgen Vorsatz ist der Meinung, dass nur aus dem Inneren heraus Veränderungen herbeigeführt und Zerstörungen in etwas Positivem umgewandelt werden können. Er nimmt für sich in Anspruch ein pessimistischer Optimist zu sein. Obwohl die Probleme dieser Welt erdruckend auf die Menschen wirken können, besteht für den Bildhauer im geringen Umfang Hoffnung auf ein Leben im Einklang mit der Natur.

 

Zwischen dieser Kugel, dem Mauerwerk hinter der Frauenfigur und dem unteren Teil des Stadtbrunnens auf dem Marktplatz entwickelt sich eine willkommene Verbindungslinie, die durch das verwendete Material, nämlich Muschelkalk, gebildet wird. Derartige Querverbindungen werden bis zum Sommer noch häufiger auftreten und sind ein Hinweis darauf, dass sich der Künstler mit seinen Materialien völlig auf die drei Ausstellungsorte in Dülmen einlassen möchte.

 

Das Mauerwerk, das mit Platten aus Muschelkalk verkleidet ist, sorgt dafür, dass die Frauenfigur in unmittelbarer Nähe des auffällig schönen Schulgebäudes gebührend in Erscheinung treten kann. Die Frauenfigur trägt ein langes, schlichtes Gewand, das bis zum Boden reicht. Die leicht gebeugten Arme weisen nach unten. Die Augen, die Nase und der Mund sind weitestgehend nur angedeutet. Obwohl es sich um ein Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus handelt, ist das Gesicht nicht verzehrt vom Schmerz. Die Mimik des Gesichts strahlt Hoffnung aus. Somit besteht die Change auf Versöhnung.

 

Dieses Denkmal von Joachim Berthold erinnert an Menschen, die im Nationalsozialismus Unrecht erfahren haben. Bei diesem Denkmal ist ein Besinnen und Gedenken unabhängig von der Religions- und Staatsangehörigkeit sowie der ethnischen Zugehörigkeit (Sprache, Hautfarbe, Sitten, Kultur) möglich.

 

Damit besteht ein bemerkenswerter Bezug zu der Skulptur mit den fünf Marmorstücken und den beiden Ketten. Die in ihrem Zuschnitt unterschiedlichen Marmorstücke symbolisieren die Heterogenität der modernen, demokratischen Gesellschaft. Politiker auf allen Ebenen sind heutzutage bestrebt den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern. Die Folgen von Corona und des Krieges in der Ukraine verdeutlichen die gesellschaftlichen Unterschiede. Die Schwachen in der Gesellschaft leiden mehr unter diesen Folgen als die Menschen mit einem relativ hohen Einkommen. Um die Gesellschaft zusammenzuhalten, ist die Regierung bereit, den Staatsbürgern großzügige Subventionen zu gewähren.

 

Der politisch und gesellschaftlich interessierte Künstler Hans-Jürgen Vorsatz hat als Symbol für Einheit extra weiße Marmorstücke aufwendig verklebt und verschraubt. Darüber hinaus hat er als Zeichen der Zusammengehörigkeit und des demokratischen Denkens um die Marmorstücke herum zwei Ketten gelegt. Zusätzlich hat er die Marmorteile auf einer schweren Sandsteinplatte verschraubt, um eine Beschädigung der Skulptur nach Möglichkeit vorzubeugen.

All diese Vorsichtsmaßnahmen haben nichts genutzt! Bereits fünf Tagen nach der Aufstellung wurde die Skulptur mit brutaler Gewalt und krimineller Energie stark beschädigt. Eine Kette wurde entwendet und die einzelnen Marmorteile liegen am Boden. Die sichtbaren Flächen mit den Klebstellen und Verschraubungsrückständen stellen in gewisser Weise Wundmale dar. An manchen Stellen sind Splitter von dem Marmor abgesprungen.

 

Aus dem stolzen Objekt, das für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Freiheit steht, ist ein Mahnmal gegen Gewalt geworden. Nach den Gewaltexzessen liegen die Marmorteile mit den Splittern und der noch vorhandenen Kette mitleiderregend am Boden. Es ist ein trauriges Bild der Zerstörung.

 

Aber der Künstler und der Förderverein für Kunst und Kultur lassen sich von dieser massiven Gewalt nicht einschüchtern. Der Künstler wird die Skulptur noch stabiler zusammenbauen und vor der Hermann-Leeser-Schule wieder installieren. In einer offenen und freien Gesellschaft wie der unseren sollte es möglich sein, Kunst im öffentlichen Raum ungestört vorzustellen.

In den Gedanken der Betrachter erhalten Kunstwerke eine gewisse Lebendigkeit. In diesem Kontext wirken die Beschädigungen wie Verletzungen.

Bis zum Sommer werden zwei weiter Ausstellungsorte mit Skulpturen von Hans-Jürgen Vorsatz eröffnet:

Vernissage am Freitag, den 21.04.2023 im CoCoDue (ehemals Fahrrad Schmitz) an der Coesfelder Str. 34. Es werden ausgewählte Werke des Künstlers Hans-Jürgen Vorsatz vorgestellt, Musiker aus der Gruppe Klangkompott werden u.a. mit einem Didjeridoo den Abend begleiten. Die Ausstellung „Dialog ohne Worte“ kann bis zum Ende des Sommers besichtigt werden.

Feierliche Eröffnung der Hauptausstellung „Dialog ohne Worte“ in der Kreuzkirche am Freitag, den 23.06.2023. Die Ausstellung ist eine Hommage an die Kreuzkirche und ihrem Baumeister Dominikus Böhm. Bis Donnerstag, den 03.08.2023 kann die Ausstellung besucht werden.

Dülmen, den 11. Januar 2023 / Werner Lütkenhaus

 

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